Zur Geschichte der Wormersdorfer Schule

Zahlreiche Hinweise in den heimatgeschichtlichen Aufzeichnungen über unser Dorf belegen, dass die Wormersdorfer Bürger schon sehr zeitig und immer wieder ein ausgeprägtes Bildungsbewusstsein und damit Interesse am Aufbau und Erhalt einer eigenen Schule bewiesen haben.

Wie alles begann

Bereits im Jahr 1784 finden wir die ersten eindeutigen Hinweise auf das Bestehen einer Schule in Wormersdorf. Jedoch wurde wohl zu einem noch früheren Zeitpunkt Unterricht im Dorf erteilt, denn im Jahr 1775 wird namentlich der Ludimagister Franz Zilles erwähnt. Ludimagister bezeichnete die damals und lange danach noch übliche Aufgabenvereinigung von Küster, Organist und Lehrer in einer Person. Diese Ludimagister waren oft nur unzulänglich gebildet, sie unterrichteten nebenberuflich, ohne jede Ausbildung. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde in Bonn eine Lehrerbildungsanstalt gegründet, die in einem sechs- bis achtwöchigen ( !!! ) Kursus notdürftig auf die Lehreraufgabe vorbereitete. Noch weiter in die Vergangenheit der Wormersdorfer Schule weisen Kritzeleien und Randbemerkungen von Schülerhand in einem höchst offiziellen Dokument, dem „Protocollum Judicale des jülichschen Hochherren- und Ortsgerichts Wormersdorf“ (1573-1598). Sie lassen uns vermuten, dass im Gemeinderaum des Ortes schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Schulunterricht stattfand und dass bereits im 17. Jahrhundert auch Mädchen unterrichtet wurden. Der offiziellen Empfehlung, auch Mädchen in die Schule aufzunehmen, wurde in Wormersdorf also besonders zeitig gefolgt. Bis weit ins 19. Jahrhundert oblag der Betrieb der Schule ausschließlich der Gemeinde. In deren Budget bildete er oft den höchsten Ausgabeposten. So war die Qualität von Unterricht und Schulgebäude immer auch Ausdruck des Reichtums und des Bildungsbewusstseins einer Gemeinde.

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Die Vikarie, später das Wohnhaus der Familie Zimmer

 

Die ersten Schulhäuser

Das erste Schulgebäude von Wormersdorf, die „Vikarie“ (möglicherweise erteilte der „Vikar“ (Pfarrer) hier auch Lateinunterricht) lag ganz in der Nähe der heutigen Schule, neben der 1945 zerstörten Hubertuskapelle und dem jetzigen Geschäft Handrup. Es war ein kleines einstöckiges Fachwerkgebäude, das aus einem Schulsaal und der bescheidenen Wohnung des Ludimagisters bestand. Hier wurden bis 1830 alle Jahrgänge in einer Klasse unterrichtet. Da dieses Gebäude schließlich weder den baulichen noch den platzmäßigen Ansprüchen genügte, wurde die „Vikarie“ in die Brückenhofstraße umgesetzt und dort als Wohnhaus weiter genutzt. Neben der Hubertuskapelle wurde ein zweistöckiges Fachwerkgebäude errichtet, das jedoch schon nach einigen Jahren, als eine zweite Klasse als Mädchenklasse eingerichtet werden sollte, durch ein großzügiges, zweistöckiges Ziegelsteingebäude ersetzt wurde. Dieses Schulhaus galt mit zwei geräumigen Schulsäälen im Erdgeschoss und zwei darüber gelegenen Lehrerwohnungen als schönstes im weiten Umkreis.Für 40 Jahre genügte es als solches voll und ganz seiner Aufgabe. Als im Jahr 1870 eine dritte Klasse eingerichtet und eine weitere qualifizierte Lehrkraft eingestellt wurde, musste eine der Lehrerwohnungen als dritter Schulsaal umgebaut werden. Bis kurz vor Ausbruch des 2.Weltkkrieges wurde das Schulhaus in dieser Weise genutzt. Im Schuljahr 1939/40 wurde es renoviert und besser ausgestattet. Drei der vier Sääle wurden weiter als Klassenräume genutzt, der vierte als Gemeindesaal. Der Raum zwischen den oberen Säälen, das frühere Religionszimmer, wurde als Konferenzraum hergerichtet. Schon fünf Jahre später, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, fiel dieses großzügige, zweckentsprechende Gebäude durch Bomben in Schutt und Asche.

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Das dritte Schulhaus

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Der Platz vor der Schule

 

Die Nachkriegszeit

In den ersten notreichen Nachkriegsjahren gab es in Wormersdorf 155 Kinder im schulpflichtigen Alter, darunter auch

viele Flüchtlingskinder. Notdürftig wurde Schichtunterricht im Pfarrheim erteilt. Wenig später kam die Wirtschaft Mauel als

Unterrichtsraum hinzu. In dieser Notlage entschieden sich die Wormersdorfer gemeinsam mit Bürgermeister Pfahl zur

Selbsthilfe, mit eigenen Kräften und eigenen Mitteln. Nach nur einjähriger Bauzeit wurde am 12. November 1949 die

neue Schule eingeweiht – der erste Schulneubau der Nachkriegszeit im Bonner Raum! Zu Beginn der sechziger Jahre,

nach Überwindung der von Aufbaunöten geprägten Nachkriegsjahre, brachte der steigende Wohlstand im Land auch ein intensives Nachdenken über Erziehung und Unterricht mit sich. Die daraus folgenden Reformbestrebungen stellten die Qualität der so genannten „Zwergschulen“ in Frage und forderten stattdessen die Unterrichtung der Kinder in großen, voll gegliederten, möglichst mehrzügigen Mittelpunktsschulen. Der vom Gemeinderat geplante Bau einer solchen Mittelpunktsschule in der Nähe des neuen Sportplatzes scheiterte am Widerstand der Gemeinden Ersdorf und Altendorf. So blieb zunächst alles beim Alten, bis Mitte der sechziger Jahre die Neugliederung der „Volksschule“ erfolgte. Die Oberstufe (die Klassen 5 bis 9) wurde als „Hauptschule“ den weiterführenden Schulen zugeordnet und nach Rheinbach verlegt – das bedeutete für Wormersdorf den Fortbestand einer Grundschule für alle Kinder der Klassen 1 bis 4.

 

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Der Neubau aus dem Jahr 1949

 

Auf und Ab der Schülerzahlen

Durch den Zuzug junger Familien in die Neubaugebiete stieg die Zahl unserer Grundschüler stetig an und erreichte Mitte der siebziger Jahre eine Rekordhöhe von 183 Kindern, die in 8 Klassen unterrichtet wurden. Drei Klassenräume fehlten.Wieder einmal löste die Gemeinde Wormersdorf, inzwischen Teil der Stadt Rheinbach, das Problem in Eigeninitiative. Ohne Zuschuss der Landesregierung – kleine Schulen wurden nur bei Zusammenlegung zu größeren unterstützt – erstellte sie für ca. 450.000 DM zwei Pavillonklassen auf dem unteren Teil des Schulhofs.Damit war ein geregelter doppelzügiger Unterrichtsbetrieb gewährleistet und somit der Fortbestand der Grundschule in der Dorfgemeinschaft gesichert. Diese Rekordhöhe an Schülerzahlen war jedoch nicht lange zu halten, sie sanken drastisch in den folgenden Jahren und erreichten Anfang der achtziger Jahre einen Tiefststand von 77 Kindern. Damit waren sogar die Einzügigkeit der Schule und damit ihr Fortbestand erneut gefährdet. Doch als die Schule 1984 ihre 300-Jahr-Feier beging, konnte bei einer Gesamtschülerzahl von 110 Kindern das 1. Schuljahr schon wieder doppelzügig geführt werden. Durch ein weiteres Neubaugebiet setzte sich die aufsteigende Entwicklung fort und Ende der achtziger Jahre war unsere Schule mit 153 Schülern in 8 Klassen wieder komplett zweizügig.

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Der Pavillon – ein Provisorium aus Baucontainern

 

Der große Umbau

Da jedoch inzwischen die alten Pavillons kaum mehr nutzbar waren, begann Anfang September 1990 bei laufendem Schulbetrieb ( ! ) der An- und Umbau der Schule. Zu dieser Zeit war die Raumnot so groß, dass zwei Klassen für die Dauer des Umbaus nach Rheinbach in die evangelische Grundschule ausgelagert werden mussten. Endlich, nach eineinhalb Jahren Bauzeit, konnten die Pavillons abgebaut und im Mai 1992 der Schulneubau eingeweiht werden.Bis Ende der neunziger Jahre bewegten sich die Schülerzahlen ziemlich konstant zwischen 150 und 160 Schülern. So war für viele Jahre ein reibungsloser, fruchtbarer, kontinuierlicher Schulbetrieb gewährleistet, wenn auch die inzwischen drastisch verschärften Sparmaßnahmen der Länder und Kommunen manche Einschränkungen mit sich brachten. Mit Hilfe zahlreicher engagierter Elterninitiativen, wie z.B. Gründung von Förderverein und Schülertreff, Schülerlotsendienste und Hausaufgabenbetreuung ausländischer Mitschüler gelang es, so manche durch den gesellschaftlichen Wandel bedingten neuen Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.In dieser Zeit wurde das Ende der achtziger Jahre erstmalig erstellte, eigene Schulprogramm den gesellschaftlichen Veränderungen und den daraus folgenden schulpolitischen Forderungen entsprechend überarbeitet. Neue differenzierende Unterrichtsformen fanden vermehrt Eingang in den Schulalltag und sollten durch soziales und individuelles Lernen der persönlichen Eigenart eines jeden Kindes besser gerecht werden.Gegen Ende der neunziger Jahre begannen die Schülerzahlen wieder zu sinken und stellten die Schule erneut vor unterrichtsorganisatorische Probleme, die durch die Einführung jahrgangsübergreifender Klassen erfolgreich gelöst wurden. So bestanden an unsere Schule für einige Jahre zwei parallel laufende unterschiedliche Formen der Unterrichtsorganisation: Zwei Drittel der Kinder wurde in herkömmlicher Weise in 4 Jahrgangsklassen unterrichtet, ein Drittel jahrgangsübergreifend in zwei weiteren Lerngruppen.

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Die Schule heute

Aktuell

Seit dem Schuljahr 2017 / 2018 befinden sich hinter dem Schulgebäude zwei schöne Containerklassen. Die Schule ist nun durchgängig zweizügig und hat mehr als 170 Schülerinnen und Schüler.


 
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